rosarote Brille trifft Würgereflex

Oder:  Was ich an diesem oder jenem Rollenspielsystem /-setting vielleicht nicht unbedingt schätzen lernen konnte.

Oh Mann!

Ich finde es ja immer megaspannend, wie Regelwerke von Rollenspielern bewertet werden.

Die einen bewerten es als die tollste Kreation seit geschnitten Brot und die anderen nehmen sich das Recht, das gleiche Werk als  Ausgeburt der Hölle, das staubtrockenste nach der Wüste Gobi oder noch schlimmerem zu bewerten. Treffen beide Fraktionen aufeinander, am Besten in einem Forum, wird wild gestritten.

Eigentlich sollte mich dieser entstehende Kontent ja freuen… Und eigentlich sollte mich die Leidenschaft, mit der da gefetzt wird auch freuen. Leider nervt es inzwischen. Auch, weil diese Fehden niemals enden. Niemand wir jemals müde in endloser Wiederholung zu äußern, wie toll oder scheisse er das System im Topic findet – egal ob es längst alle wissen oder nicht. Wiederkäuer aller Systemkriege – vereinigt Euch!

Manchmal möchte ich sagen: „Jungs geht raus und kloppt Euch! Haut Euch solange auf die Omme, bis nur noch einer steht. Wer wieder reinkommt hat recht!“ Unzivilisiert? Mag sein, mir egal, hauptsache die haben Schmerzen und nicht ich. Denn mitlerweile sind diese Systemkriege echt nur noch verdammt nervig – und zwar von beiden Seiten. Und sie ändern nichts! Es wird niemand überzeugt oder bekehrt!

NIEMAND! NIEMALS!

„Jungs, spielt doch was Ihr wollt! Und liebt abgöttisch, was ihr spielt! Oder lasst es und hasst es inbrünstig! Aber nervt damit doch nicht rum!“ ‚Einfach mal die Fre$$e halten!‘ Danke!

Und vor allem sind die Strittigkeiten vollkommen irrelevant: Ein wesentlicher Bestandteil der eigenen Wertung resultiert doch auf der Art und die Umstände, unter denen ich das Produkt kennenlerne.

Wenn mir ein Spielleiter ein System vorstellt, vielleicht mit prägenierten Charakteren, dann habe ich ein Spielerlebnis. Ist das das System? Ja, zum Teil, aber stark eingefärbt durch die Handschrift des Spielleiters. Kennt der sich z. B. sehr gut mit dem Regelsystem auf, nehme ich Komplexitäten gar nicht wahr. Oder er nimmt regeltechnische Vereinfachungen oder Änderungen vor (Hausregeln), die ich dann nicht bewerten kann. „Hat sich so durchgesetzt…“ Wie kann ich das als Newbie schon groß widerlegen…? Rockt das Abenteuer? Gefällt mir mein Charakter? Finde ich mich mit den anderen Spielern in einer funktionierenden Runde wieder, oder nervt oder langweilt mich vielleicht etwas? Wer will sich davon freisprechen, das in seine Wertung einfliessen zu lassen. Ja, okay, Du natürlich bist immer 100% objektiv. Aber wer sonst?

Nehme ich das Regelwerk selbst in die Hand, habe ich alles, aber bestimmt kein Spielgefühl. Ich nehme erstmal eine große Menge Werbung und Präsentation wahr und fast jedes Regelwerk präsentiert sich doch als „das mit den geilsten Charakteren“ und „das mit der tollsten Spielwelt“. Schön, aber nicht hilfreich… Dazu kommt, dass bei der näheren Einarbeitung meine aktuelle Verfassung auch viel Wertung vornimmt. Bin ich gestresst und genervt oder bin ich grad im Urlaub und auf Rollenspielentzug? Hab ich aktuell die Nase voll von komplexeren Systemen? Will ich vielleicht endlich mal wieder was kampagnentaugliches spielen oder einfach mal konsumieren und kein Baukastensystem? Welcher Film/Roman aus dem gleichen Genre hat mich letztens noch begeistert oder angeödet? Nun, die Verfassung ändert sich stetig, die Wertung bleibt aber ewig im Kopf!

Noch toller wird eine Kombination. Erst Probespielen, dann selber lesen. Ein Spielleiter, der echt eine geile Show gerissen hat, lässt mich viel gelesenes verzeihen. Ein Langweiler wird mich dazu bringen jedes System als mies zu empfinden.

Kurz gesagt: Egal, wie mir das Gericht geschmeckt hat, dem Gegenüber hat es anders geschmeckt. Und mir hätte es einen Tag später auch anders geschmeckt. Insofern ist das alles nur ein äußerst subjektiver Erfahrungsbericht, den „Geschmackssache“ nur annähernd trifft.

In jedem Fall lohnt sich keine große Meinungsverschiedenheit über irgendwelche willkürlichen Lieblingsgerichte, oder Dinge die man mal in der Kindheit nicht mochte und seit dem nie wieder probiert hat!

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Ein Gedanke zu “rosarote Brille trifft Würgereflex

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