DSA5 kommt, 3-2-1 … nicht meins!

DSA5 kommt!

Alles wird besser, aber alles bleibt so wie es ist!

Bis vor kurzem habe ich mich immer noch mal an den Spekulationen über das „was könnte sich zum (für mich persönlich) Besseren verändern, damit DSA und Aventurien auch für mich wieder interessant wird“ beteiligt. Ich würde mich wirklich gern mal wieder für Aventurien begeistern lassen. Wenn DSA nur begeisternd wäre. Nun gibt es konkrete Informationen über ein gar nicht mehr fiktives DSA 5… Und? Und? Und? Erzähl schon…!

Kurz: Ich lasse es!

Wahrscheinlich bin ich alt, zu lange weg von Aventurien, zu lange mit anderen Systeme befasst, als dass ich mich dafür noch wirklich begeistern und damit über einige Dinge hinwegsehen könnte. Ein System, das viele Kritikpunkte, von denen Nichtspieler erklären, dass sie es deswegen nicht spielen und auch treue Spieler einräumen, dass man dort die Regeln ignoriert und umschifft, um nicht auf die Probleme zu stossen, besitzt, und dass in einem Versionsupdate dann auch nur wieder Makulatur betreibt, weil keiner den Mut besitzt, gründlich aufzuräumen, mag ich mir nicht antun.

3W20 sucks! Sorry, aber es ist doch so! 3W20 lassen sich schön reden (findet derzeit wieder aktiv in den Foren statt) aber dadurch wird 3W20 nicht besser! Besser machen kann man es nur, wenn man es anders macht. (Immer durchs Fenster ins Haus klettern müssen, das ist auch umständlich. Das kann man auch nicht wegargumentieren, egal wieviel Tausend Hausbesitzer es machen und für den daraus resultierenden, besseren Einbruchschutz plädieren!) Scheiß auf den Realismusgedanken und Stochasitik! Mit 3W20 wird man aus bestehenden Nicht-DSA-Spielern und Ex-DSA-Spielern keine neuen Kunden wandeln und auch potentielle Neukunden werden dadurch nicht begeistert! Und 3W20 ist auch nicht maßgeblich für DSA! Thorwaler, Auelfen, Banbaladin, Havena, Al Anfa – das sind Dinge, die maßgeblich für ein DSA-Feeling sind!

Dazu kommt, dass die angekündigten Besserungen (Vereinfachungen, Herabsetzung der Komplexität, weglassen von Ausdauer, Überarbeitungen von Sonderfertigkeiten) auch nur Makulatur darstellen und durch die angekündigten Optionalitäten doch auch wieder ausgebohrt werden.  DSA ist doch kein GURPS. Wer spielt denn bitte denn zukünftig nur mit Grundbausteinen? Niemand. (Wer nutzt denn Wordpad oder ein MS Works, wenn auch ein MS Office installiert ist, auch wenn die notwendigen Funktionen von allen dreien angeboten werden?) Wenn ich mir ein Regelbuch kaufe, will ich doch nutzen, was da drinsteht und es nicht bezahlen und beim Lesen feststellen, dass ich einen großen Teil nicht brauche, sondern besser weglasse. (Wir sind doch nicht beim Fastfood-Laden: „Einmal türkische Pizza, mit Gyros und Kraut aber ohne Tzaziki, bitte. Und ’ne Cola! Ja, zum mittnehmen. Was macht das?“) Und die Redaktion wird auch nie empfehlen, etwas wegzulassen oder gleich gar nicht zu kaufen, denn das wirkt sich nicht gerade umsatzfördernd aus. Abgesehen davon verliert DSA damit einen wesentlichen Punkt den es bisher ausgemacht hat: Bisher konnte man in jede Stadt ziehen (als Student nach dem Abi, beim Jobwechsel…) und sofort eine Runde finden und losspielen… Das wird mit einem neuen Baukasten nicht mehr so einfach gehen, denn dann gehen erstmal die Verhandlungen los, mit welchen Regeloptionen gespielt werden.

Damit wird DSA5 wieder ein Produkt für die bestehende DSA Spielerschaft aber nichts für Neue oder Ehemalige und damit kein Produkt für mich. Schade, ich hätte mir mehr Mut erhofft.

Sorry, aber machen wir uns doch nichts vor:

Ein lahmendes Pferd bleibt ein lahmendes Pferd, da hilft auch kein neuer Sattel und kein neuer Jockey!

Ich passe und schau mich um und widme mich ganz ehrlich anderen Dingen, denen ich optimistischer entgegenblicke!

Allen DSA Spielern wünsch ich wirklich viel Spaß und Freude mit DSA5! Ich geb ganz ehrlich zu, ich bin neidisch darauf, dass ihr so eine große Verbreitung und durch die Kaufabenteuer und dadurch entstehenden Austauschmöglichkeiten der Spielerlebnisse ein starkes Gemeinschaftsgefühl besitzt und dass man, wenn man DSA spielt, überall eine Runde finden kann. Bei anderen Systemen ist das viel schwieriger. Insofern: Hut ab! Keine Mißgunst von mir! Aber auch keine optimistischen Empfindungen, dass es vielleicht doch irgendwann was mit uns werden könnte.

Ist nicht schlimm, es gibt genug anderes, was seine Silhouette am Horizont wirft…

Just my 2 Cents!

Schönes Wochenende!

PS: Bitte keine Kommentare mit dem „ich habs ja gleich gesagt!“ Kontext. Weiss ich, hilft nicht! Abgesehen davon empfinde ich das prophylaktische Pessimismus-Zwangsverhalten in den teutonischen Regionen zum Speien.

PPS: Bitte nicht böse sein, dass ich mich dem Ganzen negativ gegenüber äußere! Ich gönne wirklich jedem sein Spielvergnügen, dass er mit seinem System aufbringen kann.

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10 Gedanken zu “DSA5 kommt, 3-2-1 … nicht meins!

  1. Huh, gibt’s die Diskussion welche Version gespielt wird nicht spätestens mit der 4e? Nur so mal als Beobachter aus der anderen Ecke… für den 3W20 echt bescheuert und unnötig spielverzögernd sind. Aber vielleicht liegt die negative Erfahrung auch daran, das meine 20er zum hochwürfeln erzogen wurden… 😉

  2. Mal interessehalber: Wie müsste denn ein DSA aussehen, das für dich interessant wäre? Besonders, wenn es sich nicht bei SaWo und anderen „moderneren“ Systemen anbiedern soll? Was von den etablierten Regelmechanismen könnte denn bleiben, was müsste anders werden?
    Will dir nicht zu nahe treten, ich finde nur, dass sich die Kritik an DSA, die nicht von innen kommt, leider immer ziemlich gleich liest: 3W20 sind blöd, Regeln sind zu viel, alles ist altbacken, das wars.
    Aber interessieren würde es mich schon, wie ihr Nicht-DSA-Spieler euch ein „gutes“ DSA vorstellen würdet…

    • Was ist so schlimm am „anbiedern“ an modernen Systemen? Wenn man gute Ideen übernimmt, oder besser macht/anpasst?
      Im Netz kursieren genug Vorschläge wie man DSA besser machen kann. Mir gefällt auch nicht jeder Vorschlag. Aber z.B. 3W20 werfen und sich je nachdem wie gut(oder auch nicht) man etwas kann nimmt man den kleinsten, mittleren oder höchsten Würfel, finde ich ne tolle Idee, wenn man unbedingt 3w20 haben will.

    • Also, anbiedern muss sich grundsätzlich niemand, aber inwiefern sich ein System an anderen, aktuelleren Systemen orientieren mag, darf jeder selbst entscheiden. Ich persönlich denke, dass man sich duchaus an anderen erfolgreichen Systemen die Dinge angucken sollte, die gut funktionieren.
      Wer niemals über den Tellerand blicken möchte, wird irgendwann betriebsblind.
      Savage Worlds halte ich (auch wenn es eine DSA Conversion für Savage Worlds gibt) für die Masse der DSA Spieler für ungeeignet, denn Savage Worlds ist ein taktisches Rollenspiel und die wenigsten DSA Spieler würden so viel Orientierung auf Taktik wünschen.
      Ich schreibe das absichtlich, damit Du siehst, dass ich nicht einfach meinen Heartbreaker nennen möchte, den ich mir wünsche. Mir ist bewusst, dass man die Bedürfnisse der Stammspielerschaft stark berücksichtigen muss.
      Wenn ich ein Rollenspiel nennen soll, das ich eher geeignet finde, dann wäre das am ehesten HARP.
      Auch dort wird in der Charaktererschaffung, Rasse, Herkunft und Kultur gewält, auch da hat man einen Beruf. Das System eignet sich gut für erzählerisches Abenteuerrollenspiel, mit einem gesunden Maß an Realismus (Plausibilität). Es berücksichtigt sogar mehrere Attribute (2) in den Fertigkeitsproben (ein Umstieg auf 3 wäre kein Thema). Aber es ist nur ein Wurf. Und das Regelwerk passt auf 250 Seiten und es ist in sich konsistent und nicht so kompliziert.

      Zu Deiner Frage, welche Mechaniken ich mir anders wünsche:
      Ich persönlich denke, man sollte grundsätzlich dem „drunterwürfeln“ Mechanismus den Rücken kehren.
      Anstatt immer krampfhaft zu versuchen, Regeln zu finden, die es ermöglichen, auch in extremen Wertesituationen diesen Mechanismus zu behalten, sollte man sich dem widmen, was inzwischen eigentlich alle Systeme erkannt und umgesetzt haben: Würfeln, Boni addieren, Mali abziehen und mit einem zu erreichenden Mindestwurf vergleichen. Hoch ist gut, niedrig ist schlecht.
      Dann könnte ich sogar mit Attacke und Parade leben, denn dann ist der Mindestwurf des Angriffs einfach der Paradewurf. AT und PA 20? Kein Problem mehr! Auch das einrechnen von Moidfikatoren ist so immer einfacher.
      Statt 3W20 würde ich wirklich einen Wurf plus Boni/Mali (wegen mir auch 3er Attribute) plus Fertigkeitswert gegen Schwierigkeit nehmen. Die Addition der Grundwerte lässt sich im Vorfeld auf dem Dokument festhalten.
      Ob jetzt mit W20, 2W10, 3W6, W30 oder sonst wie gewürfelt wird, ist mir gar nicht so wichtig.

      Daneben würde ich die Zahl der Fertigkeiten drastisch reduzieren. Als Maßgabe wäre für mich die Faustformel richtig: Wenn eine Fertigkeit fürs Abenteuerrollenspiel (also zB schleichen, schlösser öffnen) relevant ist, hat sie eine Existenzberechtigung. Und so manche syonyme Fertigkeit kann zusammengefasst werden. Möchte jemand wirklich den vielzitierten Zuckerbäcker oder etwas ähnliches spielen, darf es gern zusammenfassende Fertigkeiten wie „Beruf“ oder „Fachwissen“ geben.

      Ähnlich würde ich bei Zauberei vereinfachen. Weniger ist eben oft mehr.

      Kurz gesagt: das wäre es. Mir ist voll bewusst, dass es für langjährige DSA Spieler einen massiven Umbruch darstellen würde. Aber Du hast mich nach meiner Ansicht gefragt.
      Und andere Systeme haben auch solche radikalen Umbauten verkraftet. Bestes Beispiel war seinerzeit AD&D im Umbruch auf D&D 3.X… TSR war damals pleite und AD&D auch ein System ohne Zukunft.
      Wizards hat die einzig richtige Konsequenz umgesetzt. Genau diesen Mut würde ich mir bei DSA auch wünschen.

      • Danke für die ausführliche und sachliche Antwort.

        Grundsätzlich stimme ich dir in vielem zu, nur bin ich nicht so überzeugt vom simplen Wurf+Wert-Mechanismus. Ich denke, dass man mit Unterwürfeln mindestens genausovielmachen kann und das vielleicht am Ende auch besser balancen kann, wie ich das auch bei meinem eigenen System vorhabe. Wichtig ist dabei halt nur, dass der Wurf eine größere Bedeutung als geschafft/nicht geschafft hat. Der Aufwand, die Qualität des Unterwürfelns zu bestimmen ist jedenfalls nicht größer als beim einfachen addieren und mit Zielwert vergleiichen, tatsächlich sind die zu verrechnenden Zahlen sogar kleiner und damit tendentiell einfacher und schneller zu handhaben.

        Was aber natürlich nicht das eigentliche Problem von großen Regeländerungen bei lange bestehenden Systemen angeht – was die einen „Altlast“ nennen ist für die anderen „identitätsstiftend“ oder „charakteristisch“. Letztlich ist da glaube ich die Verlagsentscheidung relevanter, ob man mehr die Stammspieler bedienen oder etwas Neues ausprobieren möchte. Bei ersterem bleiben echte Innovationen wohl mehr auf der Strecke als bei zweiterem, beziehungsweise dauert die Systemevolution halt einfach wesentlich länger, was sich in der immer schneller werdenden Welt durchaus als kritischer Nachteil von P&P-Systemen herausstellen könnte.

        Auf der anderen Seite war der Sprung von DSA3 zu DSA4 in meinen Augen ziemlich groß und durch die Bank sinnvoll. Natürlich war 4.1 dann das, was 4.0 schon sein hätte sollen, aber so ist das eben bei einem Hobby, das unbegrenzte Möglichkeiten bietet und wo neue Systeme stets von zu wenig Leuten ausfürhlich in allen Bereichen getestet (nicht entwickelt! zu viele beteiligte Entwickler sind mAn oft eher ein Problem, auch an DSA und den oft wenig zueinander passenden Publikationen ersichtlich) werden. Wie’s von 4 zu 5 wird, wird man schauen müssen – Ankündigungen sind oft ja mehr Schall und Rauch, und in puncto Marketingsprech ist Mario Truant ja nun auch kein unbeschriebenes Blatt.

  3. Hmm, ich wünsche mir auch ein gut gehendes DSA 5, am liebsten eins, welches Neueinsteiger zieht. Das ist gut für die Szene. Ich selbst würde aber auch nicht zu DSA zurückkehren, würden sie sich auf den Kopf stellen. Statt 3 W20 lieber ein W20 und die Boni aus drei Attributen. Das ist dann zumindest noch wiedererkennbar, aber endlich spielbar!

  4. Boba schrieb: „Ich persönlich denke, man sollte grundsätzlich dem “drunterwürfeln” Mechanismus den Rücken kehren.
    Anstatt immer krampfhaft zu versuchen, Regeln zu finden, die es ermöglichen, auch in extremen Wertesituationen diesen Mechanismus zu behalten, sollte man sich dem widmen, was inzwischen eigentlich alle Systeme erkannt und umgesetzt haben: Würfeln, Boni addieren, Mali abziehen und mit einem zu erreichenden Mindestwurf vergleichen. Hoch ist gut, niedrig ist schlecht.“

    RPGnosis schrieb: „nur bin ich nicht so überzeugt vom simplen Wurf+Wert-Mechanismus. Ich denke, dass man mit Unterwürfeln mindestens genausovielmachen kann“

    Wohl wahr. Schwierigkeit+Wert unterwürfeln ist das gleiche wie Wurf+Wert vs. Schwierigkeit. Das Problem beim Unterwürfeln sind zu hohe Werte, und wenn beim Überwürfeln-System die Werte gleich hoch sind, ändert man rein gar nichts. Auch dort hat man dann Skills, die nicht scheitern können. (Siehe 3.x/Pathfinder, das an genau dem gleichen Problem krankt.)

    Man muss die Werteschraube enger stellen, in beiden Varianten.

    samhain schrieb: „Aber z.B. 3W20 werfen und sich je nachdem wie gut(oder auch nicht) man etwas kann nimmt man den kleinsten, mittleren oder höchsten Würfel, finde ich ne tolle Idee, wenn man unbedingt 3w20 haben will.“

    Schöne Idee, aber die 3w20 sind nicht 3w20 um ihrer selbst willen. Sie sind 3 parallele Attributsproben. Bei deiner Variante kommen die Attribute in bestenfalls abgeleiteter Form vor, etwa als Zielwert, der sich aus 3 Attributen (plus Talentwert) abzüglich Schwierigkeit errechnen müsste. Das ist im Prinzip Runequest, fühlt sich für DSAler aber nicht mehr so an, als ob die Attribute direkt relevant sind.

  5. Hat dies auf Tinquendi’s Weblog rebloggt und kommentierte:
    Hat jemand von euch sich schon mal eingehender mit DSA beschäftigt? Nein? Ja? Ja, aber schon lange nicht mehr auf dem Laufenden?
    Naja ich hör mal auf, um den heißen Brei herum zu reden: Ich habe es immer gern gespielt und es kommt DSA nun in der fünften Revision, also DSA5. Ich hatte bisher noch nicht das Vergnügen, es selbst auszutesten, habe aber eine eher kritische Stellungnahme dazu gefunden und benutze diese gleich als Aufhänger, um euch einen weiteren Blog vorzustellen. 😉

  6. Also, ähm, ich verwende Wordpad, obwohl ich Office installiert habe. Einfach, weil’s schneller lädt. 😉 Aber eigentlich wollte ich nur sagen, dass die 3W20-Diskussion zu kurz greift. 3W20 ist nur ein Symptom, mit dem viele sicher leben könnten, wenn das Gesamtpaket ein anderes wäre. Würde mich interessieren, ob du dich dezidiert an dieser Regel stößt, weil sie nicht gut ist oder weil sie symptomatisch dafür ist, wie DSA mit Regeln umgeht. Mir ist nach kritischer Einschau klar geworden, dass es eher letzteres ist, das mich stört.

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